Kurz vor dem Beginn des Gipfeltreffens zwischen Kanada und der Europäischen Union in Montreal ist ein Plan zur engeren Anbindung Kanadas ins Stocken geraten. Mehrere EU-Staaten haben ihre geplanten Zusagen für eine assoziierte Mitgliedschaft des Landes abgeschwächt. Damit setzen sich die europäischen Regierungschefs gegen die Initiative von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen zur Beschleunigung der Integration.

Bundeskanzler Merz ist einer der führenden Kritiker dieses Vorhabens und bremst die Pläne von der Leyen gemeinsam mit anderen Regierungschefs. Grund für die Zurückhaltung ist laut Berichten, dass das vorliegende Konzept der Kommissionspräsidentin den Anforderungen der Mitgliedstaaten nicht genügt. Den Betroffenen war der Entwurf zu vage, um eine weitreichende Zusage zur assoziierten Mitgliedschaft zu rechtfertigen.

Trotz der diplomatischen Hürden betonte der kanadische Premier Mark Carney die Bedeutung der Zusammenarbeit über formale Strukturen hinaus. Carney erklärte dazu, dass es in diesem Zusammenhang nicht auf die spezifischen Bezeichnungen ankomme. Dies deutet darauf hin, dass Kanada trotz der fehlenden offiziellen Mitgliedschaft auf eine funktionale Kooperation mit der EU setzt.

Die Entwicklung markiert einen deutlichen Gegensatz zwischen den Ambitionen der EU-Kommission und der Realpolitik der Nationalstaaten. Während von der Leyen eine engere strategische Bindung anstrebte, fordern Merz und seine Amtskollegen präzisere Definitionen der Zusammenarbeit. Der Gipfel in Montreal steht nun im Zeichen dieser Spannungen zwischen institutionellen Ambitionen und staatlicher Vorsicht.